HE, KEKEC*, WARUM SO EIN FESTIVAL?

Einzigartige Alpen, vielfältiger Film: NEUES SLOWENISCHES KINO;

Vorwort der Kuratorin Marina Gumzi


Kekec NSK


– Der Augenblick der Auswahl ist ein Wendepunkt in der Entwicklung eines Bereiches. –


von Marina Gumzi

 

(Wir) Slowenen haben einen prächtigen Mini-Staat: Wir haben die Alpen, Höhlen, und das Meer, den Wald und das Feld, Wein und Tomaten, Erfolge, Beschwerden, Visionäre und Dämonen. Wir haben alles, sagt man, was die Großen auch haben. Aber von all dem haben wir meist nur ein einziges Exemplar, ein Muster. Die Bereiche, die reich an Variationen und Vielfältigkeit sind, und damit trotz unserer kleinen Größe und unseres noch jungen Staates eine gewisse Komplexität erreicht haben, sind nicht viele.

(Der Wein, ja, der sei hier ausgenommen, denn wir haben ihn in hervorragender Qualität und reicher Vielfalt.)

Und trotzdem: In der Vorbereitung des Programms für dieses erste überblicksartige Festival des zeitgenössischen slowenischen Kinos, hatten wir die Auswahl. Angesichts eines Generationenwechsels und einigen weichen aber tiefgreifenden Veränderungen in Verhältnis zum Film, ist die aktuelle slowenische Filmproduktion aufregend und verschiedenartig. Unsere Auswahl ist nicht selbstverständlich – ein anderer Kurator könnte sich anders entschieden.

Bei unserer Auswahl konnten wir persönlich, aufrichtig, selektiv, spezifisch, und in einem gewissen Ausmaß auch radikal sein. Und genau das sehen wir als größtes Qualitätsmerkmal unserer Auswahl.

 

Das Mosaik, das wir in dieser Form erstmals dem Berliner Publikum zeigen, umfasst – so meinen wir – die besten Produktionen jüngerer slowenischer Autoren der letzten vier Jahre.

Neun ausgewähle Filmemacher – alle „unter 40“ – haben in dieser Zeit sehr unterschiedliche Filme gemacht. Sie sind vieles zugleich: zeitgenössisch, frisch-altmodisch, humorvoll, staunend-seriös, sentimental, gesellschaftskritisch, nostalgisch, sie werfen Fragen auf und enthüllen Andeutungen, sie bieten kleine Erleuchtungen oder halten (doch nur) den Moment fest. Inhaltlich und ästhetisch haben diese Filme keinen gemeinsamen sichtbaren Nenner. Was sie aber teilen ist eine Wachsamkeit, eine große Autorenempfindlichkeit und eine meisterhafte Beherrschung des Metiers.

Sie teilen aber auch die Notwendigkeit, dass wir als Publikum all das erkennen und ihnen damit ihren Wert geben.

Die absurd kurze Haltbarkeit des zeitgenössischen Autorenfilms, die Filmen bestenfalls ein Lebensjahr zugesteht, und die achtlose Politik, die die slowenische Kunst bis zur Absurdität zusammenstreicht, sind nicht gerade hilfreich für die Sichtbarkeit der jungen Generation, die der junge slowenische Film allmählich hervorbringen könnte. Filme junger Autoren, dieses kleine aktuelle slowenische Wunder, müssen deswegen noch stärker wir, die Zuschauer, schützen.

Die Berliner Auswahl ist in diesem Sinne ein Aufbegehren.

 


 

NEUES SLOWENISCHES KINO, 2. und 3. Dezember 2015,

Babylon Berlin

Rosa-Luxemburg-Str. 30 (10178 Mitte)

U2 Rosa-Luxemburg Platz

Tickets: www.babylonberlin.de

 

logo_2_b-01 in Kooperation mit:

NSK_Partners

 


 

*Kekec (1951), der erste slowenische Kinder- und Jugendfilm.

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