Highlight 2015: Neues Slowenisches Kino im Dezember

Kino BABYLON Berlin, 2.-3. Dezember 2015

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Das Festival des neuen slowenischen Films im Kino Babylon Berlin! 2 Tage, 6 Vorstellungen, 9 Filme, und dazu zu Gast noch die Regisseure persönlich … So viele hervorragende slowenische Filmemacher gab es in Berlin gleichzeitig noch nie.

Das Programm auf: Neues-Slowenisches-Kino, hier die Fotos:

Einzigartige Alpen, vielfältiger Film: NEUES SLOWENISCHES KINO


 

– Der Augenblick der Auswahl ist ein Wendepunkt in der Entwicklung eines Bereiches. –


Vorwort der Kuratorin Marina Gumzi

(Wir) Slowenen haben einen prächtigen Mini-Staat: Wir haben die Alpen, Höhlen, und das Meer, den Wald und das Feld, Wein und Tomaten, Erfolge, Beschwerden, Visionäre und Dämonen. Wir haben alles, sagt man, was die Großen auch haben. Aber von all dem haben wir meist nur ein einziges Exemplar, ein Muster. Die Bereiche, die reich an Variationen und Vielfältigkeit sind, und damit trotz unserer kleinen Größe und unseres noch jungen Staates eine gewisse Komplexität erreicht haben, sind nicht viele.

(Der Wein, ja, der sei hier ausgenommen, denn wir haben ihn in hervorragender Qualität und reicher Vielfalt.)

Und trotzdem: In der Vorbereitung des Programms für dieses erste überblicksartige Festival des zeitgenössischen slowenischen Kinos, hatten wir die Auswahl. Angesichts eines Generationenwechsels und einigen weichen aber tiefgreifenden Veränderungen in Verhältnis zum Film, ist die aktuelle slowenische Filmproduktion aufregend und verschiedenartig. Unsere Auswahl ist nicht selbstverständlich – ein anderer Kurator könnte sich anders entschieden.

Bei unserer Auswahl konnten wir persönlich, aufrichtig, selektiv, spezifisch, und in einem gewissen Ausmaß auch radikal sein. Und genau das sehen wir als größtes Qualitätsmerkmal unserer Auswahl.

Neun ausgewähle Filmemacher – alle „unter 40“ – haben in dieser Zeit sehr unterschiedliche Filme gemacht. Sie sind vieles zugleich: zeitgenössisch, frisch-altmodisch, humorvoll, staunend-seriös, sentimental, gesellschaftskritisch, nostalgisch, sie werfen Fragen auf und enthüllen Andeutungen, sie bieten kleine Erleuchtungen oder halten (doch nur) den Moment fest. Inhaltlich und ästhetisch haben diese Filme keinen gemeinsamen sichtbaren Nenner. Was sie aber teilen ist eine Wachsamkeit, eine große Autorenempfindlichkeit und eine meisterhafte Beherrschung des Metiers.

Sie teilen aber auch die Notwendigkeit, dass wir als Publikum all das erkennen und ihnen damit ihren Wert geben.

Die absurd kurze Haltbarkeit des zeitgenössischen Autorenfilms, die Filmen bestenfalls ein Lebensjahr zugesteht, und die achtlose Politik, die die slowenische Kunst bis zur Absurdität zusammenstreicht, sind nicht gerade hilfreich für die Sichtbarkeit der jungen Generation, die der junge slowenische Film allmählich hervorbringen könnte. Filme junger Autoren, dieses kleine aktuelle slowenische Wunder, müssen deswegen noch stärker wir, die Zuschauer, schützen.

Die Berliner Auswahl ist in diesem Sinne ein Aufbegehren.

 


Hier unsere Auswahl:

Špela Čadež: Boles

ŠPELA ČADEŽ: BOLES

Slowenien/Deutschland 2013, R: Špela Čadež, Puppet Animation, 13′, OmU

Filip wohnt neben Tereza. Er ist ein Schriftsteller mit Schreibblockade, sie eine gealterte Prostituierte. Die beiden haben nicht viel gemeinsam, außer der Wand zwischen ihren Wohnungen. Eines Tages bittet Tereza den Nachbarn, einen Brief an ihren Verlobten zu schreiben. Zwei Wochen später bittet sie um einen weiteren Liebesbrief: von Boles an sie selbst.

 

Sonja Prosenc: Der Baum

SONJA PROSENC: DREVO/DER BAUM

Slowenien 2014, R: Sonja Prosenc, mit Jernej Kogovšek, Katarina Stegnar, Lukas Matija Rosas Uršič, 90′, OmU

Eine Mutter und ihre beiden Söhne sind in einer ausweglosen Situation. Nur ihr Haus und der von einer hohen Mauer umgebene Hof bieten noch Schutz. Im Laufe der Zeit wird die Situation immer mehr zu einem persönlichen Gefängnis und der Freiheitsdrang der Kinder scheint eine Entscheidung unvermeidlich zu machen.

 

Rok Biček: Klassenfeind

ROK BIČEK: Razredni sovražnik/Kassenfeind

Slowenien 2013, R: Rok Biček, mit Igor Samobor, Nataša Barbara Gračner, Tjaša Železnik, 112′, OmU

Eine Klasse bekommt einen neuen Deutschlehrer, der sich als äußerst streng und verständnislos erweist. Schnell wird er von seinen Schülern im Geheimen „der Nazi“ genannt, und als eine der Schülerinnen Selbstmord begeht, wird er zur Ursache erklärt. Die Einsicht, dass nicht alles in Schwarz oder Weiß ist, kommt zu spät.

 

Marko Šantić: Verführe mich

MARKO ŠANTIČ: ZAPELJI ME/VERFÜHRE MICH

Slowenien 2013, R: Marko Šantić, mit Janko Mandić, Nina Rakovec, Nataša Barbara Gračner, Primož Pirnat, 89′, OmU

Es ist die Geschichte des 19jährigen Luka, der das Waisenhaus verlässt, in dem er die letzten neun Jahre verbrachte. Zurückgelassen von Mutter und Verwandten im Alter von 10 Jahren, ist nun sein größter Wunsch, das Grab des Vaters zu besuchen …

 

Siniša Gačič: Dafür kämpfen

SINIŠA GAČIĆ: BOJ ZA/DAFÜR KÄMPFEN

Slowenien 2014, R: Siniša Gačić, 86‘, OmU

Einen Monat nach Occupy Wall Street, werden die ersten Zelte auf dem Platz vor der Börse in Ljubljana aufgestellt. Als die erste Euphorie nachlässt, prallt die Idee von direkter Demokratie auf das zeitgenössische menschliche Wesen: Zwietracht bahnt sich ihren Weg.

 

Gregor Božič: Šuolni iz Trsta/Schuhe aus Triest

GREGOR BOŽIČ: ŠUOLNI IZ TRSTA/SCHUHE AUS TRIEST

Deutschland 2014, R: Gregor Božič, mit: Dora Ciccone, 12‘, OmU

Eine alte Frau blickt zurück auf ihre Jugend und erinnert sich an einen kurzen Moment der Eleganz mitten in dem Nachkriegs-Elend. Eine einfache Geschichte erzählt das Schicksal einer Gemeinschaft an der italienisch-slowenischen Grenze.

 

Matjaž Ivanišin: Karpotrotter

MATJAŽ IVANIŠIN: KARPOPOTNIK/KARPOTROTTER

Slowenien 2013, R: Matjaž Ivanišin, Erzähler: Nebojša Pop Tasić, 48’, OmU

Um 1970 packt der junge Filmemacher Karpo Godina seine Kamera ein und macht sich auf nach Vojvodina, um ein Road Movie drehen. Als Imam jednu kuću (Ich habe ein Haus), überdauern nur Fragmente dieses Films die Zeit. Vierzig Jahre später macht sich ein anderer Filmemacher auf die gleiche Reise. Er kombiniert und imaginiert die Reisen des jungen Karpo Godina.

 

Dominik Mencej: Frühlingsschlaf

DOMINIK MENCEJ: PRESPANA POMLAD/FRÜHLINGSSCHLAF

Slowenien 2014, R: Dominik Mencej, mit: Anja Novak, 20‘, OmU

Für Jasna ändert sich die Welt schlagartig – oder war sie schon immer so? Sie will es gar nicht herausfinden. Sie will lieber den Moment leben, wie er ist.

 

Olmo Omerzu: Eine zu junge Nacht

OLMO OMERZU: MLADA NOČ/EINE ZU JUNGE NACHT

Tschechien/Slowenien 2012, R: Olmo Omerzu, mit: Natálie Řehořová, Martin Pechlát, Jiří Černý, Vojtěch Machuta, Jan Vaši, Milan Mikulčik, 65′, OmU

Zwei Jungen finden sich gemeinsam mit zwei Männern im Zimmer einer jungen Frau wieder und treffen erstmals auf Liebe und Sexualität. Die Kinder verlieren jedes Zeitgefühl, werden längst zuhause erwartet. Sie trinken, sie übergeben sich und sie sind trunken vor Liebe und von der „schamlosen, ungezügelten Welt ohne Regeln“ in der David, Katerina und Stepán leben.

 


NEUES SLOWENISCHES KINO, 2. und 3. Dezember 2015,

Babylon Berlin
Rosa-Luxemburg-Str. 30 (10178 Mitte)
U2 Rosa-Luxemburg Platz
Tickets auf: www.babylonberlin.de

 

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